Berufe beim Film

EKRAN+ Workshop scene. © Wajda Studio
EKRAN+ Workshop scene. Photo: © Wajda Studio

Allgemeine Anforderungen

Die Berufe beim Film setzen ganz verschiedene Fähigkeiten voraus: künstlerische Begabung, technische Kenntnisse und/oder kaufmännisches Know-how, eine gute Allgemeinbildung, ein gutes Vorstellungsvermögen, Interesse an Erzählstrukturen und ein Gefühl für verschiedene Filmgenres, Pflichtbewusstsein, Organisations- und Kommunikationstalent sowie schnelle Auffassungsgabe.

Filmschaffende arbeiten bei jedem Projekt wieder mit neuen Leuten zusammen; sie müssen deshalb in der Lage sein, sich innerhalb von kurzer Zeit in eine neue Konstellation einzufügen, um mit ihnen ein effizientes Team zu bilden.

Arbeitsbedingungen

Die meisten Berufe beim Film werden im Anstellungsverhältnis bei verschiedenen Arbeitgebern und temporär ausgeübt. Die Dauer einer Filmproduktion ist je nach Funktion des Mitarbeiters sowie Art und Länge des Werks sehr unterschiedlich: Sie kann einen Tag bis mehrere Monate betragen. Es ist nicht immer einfach, seine Zeit zwischen den verschiedenen Produktionen und den freien Zeiträumen einzuteilen. Anpassungsfähigkeit und Flexibilität sowie körperliche und psychische Belastbarkeit sind für den Umgang mit solchen Bedingungen unerlässlich.

Um ihre Interessen besser vertreten zu können und Lösungen zu finden, die den speziellen Arbeitsbedingungen entsprechen (z.B. in Bezug auf Sozialversicherungen), sind die Filmberufe in Verbänden und Gewerkschaften organisiert. In der Schweiz vertritt das SSFV (Schweizer Syndikat Film und Video) die Interessen der künstlerischen und technischen MitarbeiterInnen aus der ganzen Schweiz sowie die SchauspielerInnen der Deutschschweiz. Der Verband hat mit den Berufsverbänden der RegisseurInnen ARF/FDS und der ProduzentInnen SFP, IG und GARP "Allgemeine Anstellungsbedingungen" sowie einen "Arbeitsvertrag" ausgehandelt, welche die Arbeitsbedingungen in der Schweizer Filmbranche regeln.

Liste der Berufe

Der Regisseur ist bei der Entstehung eines Films, von der Vorbereitung bis zum fertigen Werk, die entscheidende künstlerisch-gestaltende Kraft. Er ist von der Vorbereitung bis zur Abnahme durch den Auftraggeber (falls vorhanden) künstlerisch für das Werk verantwortlich. Der Regisseur befasst sich mit der dramaturgischen Bearbeitung einer Vorlage oder der Gestaltung eines Originalstoffes, oft in Zusammenarbeit mit einem Autor. Für die meisten Filme (Spielfilme, Dokumentarfilme) macht der Regisseur umfangreiche Recherchen zum Sujet. Er hat schon vor Beginn der Dreharbeiten eine konkrete Vorstellung vom fertigen Film und den verschiedenen Elementen, aus denen er sich zusammensetzt: dramaturgische, darstellerische, sprachliche, musikalische, visuelle etc.

Aufgaben

In der Projektentwicklungsphase muss sich der Regisseur mit dem Produzenten über die beabsichtigte Gesamtwirkung des Films verständigen. Häufig stimmen die künstlerischen Absichten nicht mit den finanziellen und produktionstechnischen Gegebenheiten überein, so dass das Drehbuch angepasst werden muss.

Der Regisseur wählt - unter Berücksichtigung der finanziellen Möglichkeiten - die Darsteller aus und führt mit ihnen Vorgespräche über die Konzeption der Rollen. Ebenso wählt er die künstlerisch-technischen Mitarbeiter für Kamera, Musik, Schnitt etc. aus und wirkt bei der Besetzung des technischen Stabes mit. Zusammen mit dem Kameramann und dem Regieassistenten erarbeitet er die Découpage (Auflösung), wählt die Schauplätze, bespricht und legt - falls für den Film notwendig - die Komparserie (Statisten), die Spezialeffekte und die Stunts fest. Für die Besprechungen der Décorbauten, resp. der Einrichtigungen von Schauplätzen, wird der Szenenbildner beigezogen. Diese planerischen Vorarbeiten geben Hinweise zu besonderem technischem Aufwand und zusätzlich benötigten Mitarbeitern oder Aufnahmeteams.

Der Regisseur wählt in Zusammenarbeit mit den verantwortlichen Mitarbeitern die Kostüme, die Maske und die Requisite aus oder bespricht mit ihnen deren Anfertigung. Wird für den Film eine Musik komponiert, erarbeitet er zusammen mit dem Komponist die musikalische Konzeption.

Während der Dreharbeiten leitet und bestimmt der Regisseur in erster Linie, was vor der Kamera abläuft, koordiniert zusammen mit dem Regieassistenten alle gestalterischen Arbeiten hinter der Kamera, führt die Schauspieler und bestimmt deren Positionen und Bewegungen. Mit dem Kameramann bespricht er die Bildausschnitte, die Kamerabewegungen und die Objektive.

Schon während der Dreharbeiten entscheidet der Regisseur zwischen gelungenen und nicht gelungenen "Takes" (Aufnahmen). Eine engere Auswahl der Takes macht die Regie meistens während der Mustervorführungen und des Schnitts.

Nimmt der Cutter vor Ende der Dreharbeiten seine Arbeit auf, gibt der Regisseur Anweisungen für den Rohschnitt. Ansonsten bespricht der Regisseur mit dem Cutter zuerst den Rohschnitt und später den Feinschnitt.

Der Regisseur überwacht die Sprach-Synchronisationen, die Musik- und Geräuscheaufnahmen und die Endmischung. Er wirkt bei der Titelgestaltung mit.

Wenn der Film fertig ist, beteiligt sich der Regisseur an den PR-Massnahmen des Produzenten, des Verleihers, ev. des Fernsehsenders und wirkt bei der Gestaltung von Werbe- und Informationsmaterial zum Werk mit.

Anforderungen und Voraussetzungen

Ein Filmwerk besteht aus verschiedenen Elementen: dramaturgischen, darstellerischen, sprachlichen, musikalischen, visuellen etc. Das gilt für alle Gattungen und Längen (Spielfilm, Kurzfilm, Dokumentarfilm, Musikfilm, Videoclip, Trickfilm, Werbefilm etc.). Um all diese Elemente zu einem Filmwerk zusammenfügen zu können, braucht der Regisseur ganz verschiedenen Fähigkeiten. Er braucht ein hohes Potential an Kreativität, muss aber auch die technische Abwicklung einer Filmherstellung genau kennen, um im Rahmen des Machbaren zu bleiben.

Der Regisseur muss fähig sein, in einem Team zu arbeiten und es kooperativ, aber ohne Einbusse der Selbständigkeit und der eigenen Kreativität zu führen. Er muss seine Mitarbeiter und seine Schauspieler motivieren können. Er braucht Durchsetzungsvermögen ("Qualitätsegoismus"), Entscheidungsfreudigkeit und Flexibilität.

Es gibt keinen allgemeingültigen und anerkannten Ausbildungsweg zum Regieberuf. Es gibt jedoch Film(hoch)schulen und Schulen für Gestaltung, die eine Grundausbildung anbieten.

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Der Kinooperateur/die Kinooperateurin ist für eine einwandfreie Wiedergabe von Bild und Ton sowie für die damit verbundenen Arbeiten im Kino verantwortlich.

Aufgaben bei analoger Filmvorführung

Zu Beginn seiner Arbeit prüft der Kinooperateur den Zustand der Filmkopie (Perforation, Klebestellen) und erstellt eine Filmbefundanzeige. Anschliessend montiert er das Kinoprogramm: Filmvorschauen (Teaser/Trailer), Vorprogramm und Hauptfilm. Er legt die Filme in die verschiedenen Projektionssysteme ein; je nach Einrichtung sind es zwei Projektoren im Überblendbetrieb, ein Projektor mit Spulenturm oder mit Filmteller für halbautomatischen Betrieb. Er führt den Film im korrekten Bild- und Tonformat vor und kontrolliert regelmässig Bildschärfe, Bildposition und Tonqualität. Ist ein Film nicht mehr im Programm, demontiert er ihn wieder und schickt ihn an den Verleiher zurück.

Aufgaben bei digitaler Filmvorführung

Wird ein neuer Film ins Programm aufgenommen, prüft der Kinooperateur das gelieferte DCP (Digital Cinema Package) auf Vollständigkeit und Funktionstüchtigkeit. Er lädt den Film auf den Server oder in die Library und schaltet ihn, wenn nötig mit Hilfe eines Schlüssels (KDM), frei. Anschliessend stellt er den Film mit dem Vorprogramm (Teaser/Trailer) zu einer Vorstellung zusammen, die ebenfalls die automatischen Steuerungsbefehle, Programmabläufe und teilweise auch eine Pause enthält. In Kinos mit mehreren Sälen (sog. Multiplex) programmiert er gar eine ganze Woche im Voraus. Er kontrolliert, dass die Medien in den korrekten Bild- und Tonformaten wiedergegeben werden und überwacht den Betriebsablauf. Ist ein Film ordnungsgemäss geladen, kann er den Datenträger wieder zurück an den Verleih oder an ein weiteres Kino senden.

In beiden Fällen gehört die Wartung der Projektionsgeräte, der Unterhalt der Installationen und der Vorführkabine zum Aufgabenbereich des Kinooperateurs. Er kontrolliert die Betriebsdauer der Xenonlampen und wechselt sie gegebenenfalls aus, überprüft den Stand der Kühlflüssigkeit und kümmert sich um die Einstellungen sowie die Pflege der Projektoren (Öl- oder Luftfilterwechsel) und des Zubehörs (zB. 3D).

Der Kinooperateur ist auch für die Wartung der Türen und Notausgänge sowie der Panik- und Notbeleuch­tungsanlage zuständig und ist um den Komfort der Zuschauer besorgt (Belüftung und Beleuchtung des Saals, Zustand der Sitze usw.). Bei technischen Pannen eruiert er die Ursachen und sorgt für deren Behebung.

Durch die Automatisierung der Projektionseinrichtungen und die veränderten Strukturen der Kinobetriebe befindet sich der Beruf des Operateurs zur Zeit im Wandel. Der Operateur wird auch an der Kasse und beim Empfang aushelfen müssen und ist die Ansprechperson für das Publikum.

Anforderungen und Voraussetzungen

Zuverlässigkeit und Flexibilität (Bereitschaft zu unregelmässigem Dienst, auch an Feiertagen und an Wochenenden), gute Informatikkenntnisse und gute Auffassungsgabe im technischen Bereich. Eine abgeschlossene Berufslehre in handwerklich-technischer Richtung (Elektrotechniker, Informatiker o.ä.) ist von Vorteil. Alters- oder bildungsbezogen gibt es jedoch keine Zulassungsbeschränkungen. Achtung: Nachtvorstellungen dürfen erst ab dem 18. Altersjahr wahrgenommen werden.

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